Kunst in den Gerichtshöfen e.V.
Bereits in den 80er Jahren bot die Wohnungsgesellschaft GESOBAU AG interessante Gewerberäume in Berlins Mitte zu besonders günstigen Mietkonditionen an und die ersten Künstlerinnen und Künstler bezogen die Weddinger Gerichtshöfe.
Mit mehr als 70 Kunstschaffenden, die sowohl künstlerisch als auch geographisch aus den verschiedensten Richtungen kommen, ist hier mittlerweile eines der größten Kunstquartiere Deutschlands entstanden, ein Ort der Dynamik und Kreativität. In den Ateliers ist die gesamte Bandbreite zeitgenössischer Kunst zu finden: Fotografie, Malerei, Grafik, Bildhauerei, Keramik, Textile Objekte, Lichtinstallation und Videokunst.
Mit dem Ziel, die Gerichtshöfe zu einem Ort des lebendigen Austauschs von Kunstbegeisterten und Nachbarn zu machen, wurde 2004 der Verein „Kunst in den Gerichtshöfen e.V.“ gegründet. Viele der Künstler öffnen ihre Ateliers regelmäßig einem breitem Publikum, sei es zweimal im Jahr zur „Langen Nacht der Museen“ oder zu besonderen Anlässen wie „Das MoMA geht, der Wedding kommt“ im Rahmen der Kunstmesse „Art-Forum“ oder zu einer Verkaufsvernissage zu Nikolaus namens „MoKuzuMimi – Moderne Kunst zum Mitnehmen“.
Die Geschichte der Gerichtshöfe
Um 1860 befanden sich auf dem schmalen Grundstück von der Gerichtstrasse bis zur Wiesenstrasse ein Fabrikgebäude, Speicher, Pferdeställe und Wagenremisen. Später baute man mit Kesselhaus, Maschinenhaus, weiteren Fabrikgebäuden, einem Expeditionsgebäude und einem Aether-Keller das insgesamt ca. 9000m² große Gelände weiter aus.
Eigentümer war die „Chemische Fabrik J.D. Riedel AG“, die Arzneimittel, Chinin und Grundstoffe für Glühstrümpfe der bekannten Berliner Gaslaternen herstellte. Diese teilweise hochgiftigen und explosiven Chemikalien wurden im „Aether-Keller“ gelagert, der sich etwa im Bereich des heutigen Aufgangs 7 befand.
1912 gründet J.D. Riedel die „Industriestätte Nordhof“, die bis heute fast unverändert erhalten geblieben ist. Die veralteten Gebäude wurden abgerissen und das vierstöckige Fabrikhaus mit den großen Fenstern, den teuren glasierten Ziegeln und elektrischen Aufzügen errichtet. Erste Mieter waren damals die „AEG-Apparatefabrik, eine Likörfabrik und ein AOK-Büro. Das Wohnhaus in der Gerichtstrasse, das durch seine Größe und aufwändige Ausstattung auffiel, folgte später. Dort wo heute ein gähnendes Loch klafft, stand bis zum Ende des Weltkriegs der imposante Mittelteil. Berichten zufolge ist dieser erst 1945 eingestürzt, als ein Geschütz explodierte, mit dessen Bedienung ein Hitlerjunge wohl überfordert war und hier wenige Tage vor Kriegsende den Tod fand.
